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Buch Rezension: Ich erwarte die Ankunft des Teufels von Mary MacLane

Das Buch ging durch die Presse und irgendetwas an den Rezensionen der Zeitungen und Portale faszinierte mich. Reclam hat dieses Buch nach über 100 Jahren das erste Mal in Deutsch auf den Markt gebracht und alleine der Klappentext fing mich schon ein:

Klappentext:

Die 19-jährige Mary MacLane wünscht sich Napoleon oder am besten gleich den Teufel als Liebhaber. Sie träumt von einer Revolution, während sie mit ihren Mitmenschen im provinziellen Montana genauso wenig anfangen kann wie mit ihren häuslichen Pflichten und der kargen Landschaft. Mary fühlt sich einsam auf der Suche nach sich selbst und dem guten Leben – und feiert trotzdem kraftvoll das eigene Ich. MacLane war völlig unbekannt, als sie 1902 ihr erstes, im Tagebuchstil verfasstes Buch veröffentlichte. Es wurde zum Skandal und seine Autorin zum Star. Reporter aus den Metropolen pilgerten in ihre Heimatstadt, Cocktails und Sportmannschaften wurden nach ihr benannt. Ihr Name wurde zum Inbegriff für rebellische junge Frauen. Auch über 100 Jahre später fasziniert es ungemein, wie virtuos und selbstverständlich Mary MacLane sämtliche Konventionen über den Haufen wirft, wie sie zwischen Größenwahn und Todessehnsucht, Resignation und Euphorie tänzelt. Zum ersten Mal in deutscher Übersetzung.

Reclam

Napoleon? Der Teufel? Die Beiden als Liebhaber. Uff.

Ich wollte wissen, was hinter dem Namen und dem kurzen Text steckte, wollte wissen, was Mary MacLane so imposantes geschrieben hat, dass ihr Buch für Begeisterung sorgt. Also landete es in meinem Einkaufswagen und war wenige Tage später von Reclam geliefert.Dann lag es einige Wochen in meinem Regal, die ersten zehn Seiten waren gelesen, aber ich tat mich zuerst etwas schwer.

Mit Mary MacLane. Mit der Frau, die zwischen Wahnsinn, Melancholie, Genialität und Depressionen tänzelt.

Die Schwere der Worte

Doch dann las ich es, in wenigen Tagen, einfach durch. Ich ließ mich von ihrer Schreibweise in ihr Leben ziehen und erkannte, dass sie wirklich ein Genie war – wie sie immer von sich selber sagte. Ein Genie – auf ihre ganz eigene Art und Weise. Sie löst keine hochmathematischen Formeln oder bringt sonst etwas wissenschaftliches zu Stande – nein, sie lebt „nur“.

Und wie sie lebt. Sie stellt ihre kleine Welt zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in Frage, sie will sich nicht der Normalität beugen, sie will besonders sein. Und welches Recht habe ich, ihr dies nicht zuzugestehen?

Mit einem unglaublichen Händchen für die Sprache berichtet sie von ihrem Gefühlswesen, vergleicht sich selber mit den großen der damaligen Literatur – und schneidet schlichtweg immer besser ab. Und sie weiß – WEIẞ – dass sie eitel ist. Erstaunlich für eine neunzehnjährige.

Und sie weiß, dass sie nicht perfekt ist. Für mich das erstaunlichste an dem ganzen Buch. Sie erkennt ihre Fehler, sie leidet unter ihnen – und sie leidet unter ihrem Genie. Sie möchte gerne weniger sein, weniger fühlen, weniger wissen. Und ich kann sie verstehen! Mit dem Hintergrund meiner Erkrankung lese ich dieses Buch vielleicht ein wenig anders, als ein gesunder Mensch. Ich erkenne mich in Phrasen wieder – verstehe ihr Leiden und ihre Sehnsucht. Ihre Sehnsucht danach geliebt zu werden – ach und wenn es nur drei Tage wären.

Genie?

Mary MacLane – ein selbsternanntes Genie und ich möchte es ihr nicht absprechen. Vielleicht mag es überheblich von ihr sein, sich selber so zu bezeichnen, vielleicht ist es überheblich mit 19 ein Buch über sich selber zu schreiben, über das was man fühlt, was man ersehnt. Aber warum nicht?

Ihre Gefühlswelt ist imposant, flexibel und absolut nachvollziehbar. Sie wandelt zwischen himmelhochjauchzend zutodebetrübt und zurück, macht sich die Welt zu eigen und will doch nichts anderes als von dieser Welt zu entfliehen. Und ich kann sie nachfühlen, nachempfinden und bewundere sie für ihren Mut, den Pathos zu besitzen, ein Buch darüber zu schreiben.

Heute wäre sie vermutlich Bloggerin, Instagram-Star und/oder Youtuberin – und Tausende würden ihr folgen, sie bewundern und sie anbeten. Und sie hätte es verdient. Eindeutig. Sie war ein Genie.

Jenseits der Normen.

Ob ich das Buch empfehlen kann? Ja. Jedoch sollte man sich auf sie einlassen, es mit Abstand betrachten und ihr eine Chance geben. Ohne zu urteilen und zu werten.

Eckdaten:

Titel: Ich erwarte die Ankunft des Teufels
Autorin: Mary MacLane
Verlag: Reclam
Preis: 18,00 Euro
ISBN: 978-3-15-011256-4

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Sternenruferin

Marie-Louise, Arbeitet mit psychischer Erkrankung in einer Werkstatt für behinderte Menschen, Mediengstalter, Peer Berater, Borderline und Spaß am Leben. Musik, Bücher und Schreiben vervollständigen den Haushalt mit Mann, zwei Katzen und zwei Schlangen.

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