Liebe dich selbst
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Liebe dich selbst – Mein Weg zur Selbstliebe

Liebe dich selbst – Selbstliebe ist wahrscheinlich die schwierigste Herausforderung, der wir uns in unserem Leben stellen müssen. Nicht nur mit einer psychischen Erkrankung. Unsere Gesellschaft ist auf gutes Aussehen und Leistung ausgelegt. Schon als Kind haben oftmals jene zu leiden, die nicht in irgendeine Schublade passen. Schubladen, die es nicht geben sollte. 

Was bleibt dabei als erstes auf der Strecke? Die Selbstliebe. Wird diese weniger, dann sinkt auch der Selbstwert und auch das Selbstbewusstsein. Und die dunkle Spirale ist in vollem Gange.

Wie soll ich mich denn lieben?

Schnell sind die eigenen Unzulänglichkeiten gefunden, ein Blick in den Spiegel offenbart meist nur Negatives und etwas finden, was man an sich mag oder gar liebt, wird mit jedem Tag schwieriger. 

Und mit jedem Tag werden die negativen Dinge mehr, die Guten weniger, sich selber etwas Gutes zu tun wird oft genug mit dem Gedanken “Das bin ich doch gar nicht wert” abgelehnt. 

Kommt es dir bekannt vor? Ich kenne es, ziemlich gut sogar. Auch heute fällt es mir immer wieder schwer, mich selber zu lieben. Ich sehe mein Übergewicht und alles, was negativ auffallen könnte, viel deutlicher als vielleicht alles andere, was mich im positiven ausmacht. 

Aber es ist vorhanden. Und jeder von uns hat es! 

Die Spiegelübung

Während meiner Zeit in der Tagesklinik im DBT Programm wurde ich genötigt, jeden Morgen vor einen Ganzkörperspiegel zu treten und etwas Positives über mich zu sagen. Ich sage bewusst genötigt, denn ich fand es doof, unnütz und konnte mir partout nicht vorstellen, dass es etwas ändert.

Ich sollte mich irren.

Die ersten Tage, vielleicht sogar Wochen fand ich es lächerlich. Ich konnte mir selber nicht dabei in die Augen schauen, sah nur meine Unzulänglichkeiten. Doch irgendwann fing ich an über die Sätze nachzudenken, die ich jeden Morgen vor dem Spiegel aufsagte. Im Nachgang betrachtet waren die Sätze zum Teil wirklich simpel oder oberflächlich. Ich sagte mir selber, dass ich das T-Shirt toll fand, das ich anhatte, dass ich schöne Augen habe oder einfach dass ich nett sei.

Und langsam, über die Zeit fing ich an, mir selber zu glauben. Heute weiß ich, ich habe schöne Augen, ein freundliches, offenes Gesicht und ich weiß, ich kann gut zuhören und den Menschen um mir helfen. 

Ich weiß aber auch, dass ich eigentlich zu dick bin, aber dennoch eine tolle Figur habe. Ich sehe meine Makel, finde mich aber alles in allem ganz passabel und gut.

Die Spiegelübung war definitiv ein Stein auf diesem Weg, sie hat mir geholfen. Und tut es heute noch. Denn oft genug, wenn ich mich morgens schminke oder vor dem Spiegel stehe und überlege, ob das was ich anhabe gut aussieht und sage mir selber laut, ich sehe gut aus, dass das MakeUp mir gelungen ist oder eine andere Kleinigkeit. Ich denke da nicht mehr großartig drüber nach, ich mache es einfach.

Und das spiegelt sich in meinem Verhalten anderen Menschen gegenüber wieder: Ich gehe mit erhobenem Haupt durch die Welt und kann den Menschen wieder in die Augen sehen.

Die kleinen Alltagsmomente

Eine andere Aufgabe, die ich während meiner Zeit in der DBT bekam war, mir die Fußnägel zu lackieren. Meine erste Reaktion war “Warum? Das sieht keiner, meine Nägel sind total kurz und überhaupt, ich mag das nicht.”. Meiner Bezugspflegerin war das ziemlich egal, ich sollte, nein, musste mir die Fußnägel lackieren.

Und erneut fand ich die Aufgabe als lächerlich und ich gebe zu, ich lackiere mir die Fußnägel heute nicht mehr. Ich mag das einfach nicht. 

Aber darum ging es gar nicht. Den Gedanken dahinter habe ich lange Zeit nicht begriffen, aber vor einiger Zeit habe ich es wohl verstanden.

Es geht gar nicht darum, sich die Fußnägel zu lackieren – das ist immerhin offensichtlich. Es geht vielmehr darum, sich Zeit für sich zu nehmen, sich etwas Gutes zu tun. Und das ist auf viele Art und Weisen möglich. 

Diese kleinen Alltagsmomente – Finger- oder Fußnägel lackieren, sich Zeit für eine Tasse auf dem Balkon nehmen, ein gutes Buch lesen oder so vieles vieles mehr – sind nicht nur unerlässlich um Kraft zu schöpfen, sie geben uns auch das Gefühl, dass wir uns selber etwas Gutes tun. Und wenn ich mir etwas Gutes tue, dann wertschätze ich mich. Mich als Person, alles an und in mir.

Und ich räume mir diese Momente mittlerweile bewusst, aber viel häufiger auch unbewusst, ein. Sei es, dass ich mir morgens die Zeit nehme, mich ein wenig zu schminken, denn ich weiß, mit ein wenig Augen-Make-Up sieht mein Gesicht ganz anders aus. Oder dass ich mir regelmäßig die Zeit nehme meine Fingernägel zu lackieren. Sei es das Bewusste auf der Couch oder dem Bett rumliegen und lesen, einen guten Film zu schauen oder Zeit mit meinen Freunden, meiner Familie oder meinem Partner zu verbringen.

All diese Kleinigkeiten, die mir gut tun, zeigen mir, dass ich es mir selber wert bin. Und dann kann ich auch in den Spiegel schauen und ganz ohne blödes Gefühl zu mir selber sagen “Du bist schön! Du bist freundlich und hilfsbereit! Und alles in allem bist du eine tolle Person!”

Wir sollten alle wesentlich häufiger freundlich zu uns selber sein!


Photo by Nick Fewings on Unsplash 

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Sternenruferin

Marie-Louise, Arbeitet mit psychischer Erkrankung in einer Werkstatt für behinderte Menschen, Mediengstalter, Peer Berater, Borderline und Spaß am Leben. Musik, Bücher und Schreiben vervollständigen den Haushalt mit Mann, zwei Katzen und zwei Schlangen.

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