Lost Place: Altstrelitzer Gefängnis Neustrelitz
Mythen und Legenden

Lost Place Altstrelitzer Gefängnis Neustrelitz

Es ist ein Lost Place, denn keiner will es kaufen: das Altstrelitzer Gefängnis.

666 Portraits von Menschen hingen bis Mitte 2019 an der Wand des alten Gefängnisses. Dann hat die Qualität der Plane das zeitliche gesegnet. Wie die Nutzung des Gebäudes auch. Denn noch immer wird ein Käufer für das Gebäude gesucht.

Das Altstrelitzer Gefängnis Neustrelitz steht leer. Seit Jahrzenten. Es findet sich kein Investor. Bei der Geschichte des Gefängnisses ist dies wenig verwunderlich. Begeben wir uns auf Zeitreise innerhalb der Mauern, zwischen denen oft genug Leid erfahren wurde.

Die Geschichte des Lost Place

Herzog Karl der II. von Mecklenburg-Strelitz ließ 1805 ein Landarbeitshaus bauen. Damals bedeutete Landarbeitshaus ganz einfach übersetzt Zucht- und Irrenhaus. Ein netter Name für einen Ort, an dem auffällige Menschen eingepfercht wurden. Bereits 1902 wurden die „Irren“ in die neue Landesirrenanstalt Domjüch umgesiedelt, zurück blieb ein Landarbeits- und Landarmenhaus. Zuchthaus und Gefängnis in dem am 31. Dezember 1902 32 Männer und 4 Frauen in Haft waren.

Dann kam die Weimarer Republik. 1926 geriet die Strafanstalt zum ersten Mal über die Landesgrenzen hinaus in die Schlagzeilen. Am 15. Februar 1926 wurde auf dem Gefängnishof der Landarbeiter Josef Jakubowski aus Palingen bei Schönberg hingerichtet. Damit hatte Mecklenburg- Strelitz die erste Hinrichtung im eigenen Land. Das vollstreckte Todesurteil erwies sich bald als Justizirrtum.

Ab 1934 wurden unter Führung der NSDAP hier Gegner nationalsozialistischer Willkür gefangen gehalten. Sie wurden misshandelt und ermordet.

Schutzhaft und der zweite Weltkrieg

Seit den Novemberpogromen 1938 wurden im Gefängnis Neustrelitz vorrangig Juden inhaftiert. Schutzhaft nannte es sich – insgesamt etwa 200 Personen, die jedoch bis März 1939 wieder freigelassen wurden. Unter strengen Auflagen: direkt zum Heimatort begeben, sich dort bei der Polizei melden und ihre Auswanderung fördern. Andernfalls drohte eine erneute Verhaftung.

Noch vor dem zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude umgebaut: in der erste Etage fand die Station für „männlich asoziale Lungenkranke“ ihre Heimstatt, in der Zweiten der Maßregelvollzug zur Unterbringung von „unzurechnungsfähigen beziehungsweise beschränkt zurechnungsfähigen Rechtsbrechern“. Von nun an nannte sich das Gebäude „Abteilung Heil- und Pflegeanstalt“ oder kurz „Abteilung III“.

Der zweite Weltkrieg folgte und wie viele der ehemaligen Reichsgebäude ging auch dieses in die Hand der Siegermächte über: der sowjetische NKWD übernahm das Gebäude und es wurde zum Gefängnis Nr. 5, Abteilung Speziallager. Hier waren Sowjetbürger vor der Repatriierung, Wlassow-Soldaten, SMT-Verurteilte und Internierte in Haft – bis über 1.000 Personen darunter Jugendliche und Frauen. Viele starben infolge von Krankheiten bedingt durch mangelnde Hygiene und Prügel. 1946 wurden alle Häftlinge in das Speziallager Nr. 7 Sachsenhausen und in das Speziallager Nr. 9 Fünfeichen verlegt.

1947 ging es zurück in die deutsche Verwaltung und bis 2001 wurde als Strafvollzugseinrichtung genutzt.

1991 gelang 11 Häftlingen bei einem Massenausbruch der Weg in die Freiheit. Grund dafür waren die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen.

Leerstand des Altstrelitzer Gefängnis

Seit 2001 steht es leer und sucht einen Käufer. Doch wer möchte ein solches Gebäude bewohnen, in dem vielleicht noch die Geister der Vergangenheit wandeln? Und so wurde es zu einem Lost Place.

Gut für uns Urban Explorer, denn es steht leer und lässt einen die Vergangenheit erahnen.

Und wie immer gilt: nichts da lassen, nichts mitnehmen – außer Fotos und Erinnerungen!

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Sternenruferin

Marie-Louise, Arbeitet mit psychischer Erkrankung in einer Werkstatt für behinderte Menschen, Mediengstalter, Peer Berater, Borderline und Spaß am Leben. Musik, Bücher und Schreiben vervollständigen den Haushalt mit Mann, zwei Katzen und zwei Schlangen.

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