Mythen und Legenden

Totenfest: der Día de los Muertos in Mexiko

Der mexikanische Día de los Muertos wird längst auch hierzulande gefeiert. Doch was hat es mit dem Totenfest auf sich?

Wir alle feiern Jahr für Jahr Halloween als ein Totenfest, das von Irland über Amerika bis nach Deutschland gewandert ist. Wir verkleiden uns als Zombies, Hexen, Gespenster und andere Monster und Kinder gehen von Tür zu Tür, um Süßigkeiten einzuheimsen. Der Aspekt der Totenverehrung ist dabei allerdings ein wenig abhanden gekommen. Ganz traditionell ist dafür eigentlich in Deutschland der Tag “Allerheiligen” am 1. November da.

Der Día de los Muertos wird ins Deutsche wortwörtlich als “Tag der Toten” übersetzt. Dieser entstand zum einen aus den Ursprüngen des Festes der einheimischen Mexikaner (Azteken, Mazas, Purepechas, Nahuas und Totonacs) und aus dem Glauben der europäischen Eroberer im 16. Jahrhundert.

Bis dahin feierten die Einheimischen ihr Totenfest, das seit etwa 3000 Jahren existiert, ungefähr im August, wo es den ganzen Monat über gefeiert wurde. Nachdem die Eroberer später die Einheimischen zum Katholizismus bekehren wollten, wurden die Feierlichkeiten auf den 1. und 2. November gelegt, was den christlichen Feiertagen Allerheiligen und Allerseelen entspricht.

“Tag der Toten”, das klingt erst mal so, als würde es sich um eine traurige und triste Veranstaltung handeln. Dem ist aber keinesfalls so! Denn schon die mexikanischen Ureinwohner sahen den Tod als einen Teil des Lebens an. Die Toten würden nicht wollen, dass man sich mit einem grimmigen Gesicht an sie erinnert – deshalb soll am Tag der Toten auch fröhlich gefeiert werden.

Am Día de los Muertos sollen die Toten dem Glauben nach für einen Tag wieder auf die Erde kommen, um dort mit ihren Verwandten und Freunden wiedervereinigt zu werden. An diesem Tag treffen sich die Angehörigen an den Gräbern der Verstorbenen. Diese werden anlässlich des Festes ganz besonders geschmückt. Am ersten der beiden Feiertage, dem Día de los Inocentes, wird den verstorbenen Kindern gedacht und ihre Gräber werden dazu mit weißen Orchideen geschmückt. Am 2. November, dem Día de los Muertos, wird den Erwachsenen gedacht, deren Gräber mit orangefarbenen Ringelblumen verziert werden.

Alles in allem ist der Tag der Toten also ein fröhlicher Feiertag. Der Tod wird mit etwas Positivem verbunden und für die Lebenden ist dies ein schöner Tag, um in Kontakt mit den Verstorbenen zu treten und sie zu ehren.

Damit die Toten den Weg zu ihren Angehörigen finden, müssen dafür Vorkehrungen getroffen werden. An den Haustüren werden Laternen aufgestellt und leuchtende Ringelblumen werden von den Gräbern bis zur sogenannten Ofrenda ausgestreut, damit der Weg für die Toten gekennzeichnet ist.

Die Ofrenda, vergleichbar mit einem Altar, dient dazu, den Toten Speis und Trank anzubieten. Auf dem Altar werden Fotos der Verstorbenen aufgestellt, Blumen und blütenbehangene Kreuze zieren den Tisch, Alkohol, Zigaretten, Spielzeuge für die Kinder und andere Gegenstände dürfen ebenso nicht fehlen. Eine Matte, geflochten aus Palmblättern, dient den Toten als Ruhestätte. 

Das Pan de Muerto, ein süßes Brot, wird ebenfalls angeboten, denn Brot gilt als Symbol der Gemeinschaft der Lebenden und der Toten. Das mit Anis gebackene Brot wird außerdem mit Todessymbolen verziert. Auch Süßspeisen, die in der Form der Calavera Catrina gehalten sind, sind typisch für den Tag der Toten. “La Catrina” ist eine in Mexiko häufige Skelettdarstellung, die durch den Kupferstecher José Guadalupe Posada geschaffen wurde.

Zwar ist der Día de los Muertos ein familiärer Feiertag, doch es finden auch große Feiern in Gesellschaft mit vielen anderen Menschen statt. Für den Toten ist das umso ehrenhafter: Je mehr Menschen für einen Toten zusammenkommen, desto mehr Freunde hatte er zu Lebzeiten. Zu den Veranstaltungen wird getanzt, Tequila getrunken, Musik gemacht und in Verkleidungen finden Umzüge durch die Städte statt. Um Mitternacht ist dann alles vorbei, denn dann müssen die Toten ins Jenseits zurückkehren.

Die großen Umzüge gibt es übrigens noch nicht sehr lange! Im Film “James Bond: Spectre” ist ein Umzug zum Tag der Toten in Mexiko-Stadt zu sehen, doch diesen gab es bis dahin noch gar nicht. Kurzerhand wurde 2016 eine Parade erfunden, damit Touristen nicht enttäuscht sein würden, wenn es keine gäbe. Das kam sicherlich auch dem Tag der Toten als immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe zugute: Somit wurde ihr Jahrtausende altes Fest in der Welt noch bekannter. Auch im Disney-Film “Coco – lebendiger als das Leben” wird der Día de los Muertos thematisiert und ist somit ein für den Rest der Welt zugängliches Fest geworden.

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