Jason Isaacs als Lucius Malfoy
Geschriebenes

Von Schreibblockaden und imaginären Freunden

Kennt ihr das? Schreibblockade? Kommt bei mir alle paar Monate mal vor. Dummerweise zieht sie sich dann immer elendig lang. Ich steh unter der Dusche und hab die unendlich geilsten Ideen zu Fanfiktions, Krimis und Märchen. Aber so wirklich schreiben geht dann nicht. Stattdessen steht dann plötzlich Lord Voldemort – in seiner nicht schlangenhaften Gestalt, sondern die, die er als junger Mann hatte – oder wahlweise Lucius Malfoy in meinem Badezimmer und bewundern mein Tattoo auf meinem Rücken, während ich mir die Haare wasche.

Uncool. Heute Morgen standen sie dann beide da und meinten ziemlich trocken „Also, die Rose ist ja in Ordnung, aber was soll dieses dumme Tribal drum herum?“ „Weiß ich auch nicht. Ich hab gehört, sie will sich als nächstes das Zeichen von Gellert Grindelwald und seiner Allianz stechen lassen.“ „Hä? Ist die doof oder so?“

Auf meine Bitte, sie sollen doch mal die Klappe halten, ich könne ja meine eigenen Gedanken nicht hören, lachten sie nur wiehernd los. „Ich hätte ja nen Vorschlag Marie“, wenn Tom alias der übelst dunkle böse Lord mit so was kommt, dann ist echt Holland in Not und ich steh in der Bretagne, wahlweise Bredouille.

„Behalt ihn einfach für dich, okey?“ Nackt, wie Gott mich schuf watschel ich an den beiden Herren in meinem Bad vorbei – was übrigens eine Meisterleistung ist, da mein Bad in etwa so groß wie eine Briefmarke ist – und gehe ins Schlafzimmer. Mein Mann starrt mich an und grinst. Ich rolle mit den Augen. Hinter mir betreten die beiden größten Todesser aller Zeiten das Schlafzimmer. Zum Glück sind sie eine Ausgeburt meiner Fantasie sonst müsste ich meinem Mann erklären, wie zwei Sahneschnitten in unsere Wohnung kommen. Zum Glück weiß er immerhin, dass Malfoy sr sowieso für feuchte Höschen sorgt.

Ich schnappe mir was zum Anziehen und schmeiße die Kaffeemaschine in der Küche an. Aus dem Off ertönt nur synchrones Stöhnen. „Du solltest deinen Kaffeekonsum überdenken, Schatz.“ Tom. Ich seufze. „Tom, bitte, ich setzte beruflich Kaffee in Codezeilen um. Altes Mediengestalter Gesetz. Ohne Kaffee keine Homepage.“ Er rollt mit den Augen und stuppst Lucius an. „Setz mal ne Kanne Tee auf.“ Der Versuch des Malfoy-Patriarchen eine Hauselfe zu rufen, scheitert kläglich und ich lache ihn aus.

Missmutig lässt er also Hauselfe Hauselfe sein und schaut sich meine Küche an. „Wer von euch Beiden ist eigentlich fürs Aufräumen zuständig?“ Mein Blick fliegt zur Arbeitsfläche und ich zucke mit den Schultern. „Ich weiß gar nicht was du willst. Das sind die Reste vom Auflauf gestern.“ Lucius rollt mit den Augen. Ich bin mir sicher, wenn der Tag so weiter geht, braucht er ne Kopfschmerztablette. Oder alternativ taucht unser aller geliebter Zaubertränkeprofessor hier auf und braut ihm einen Schmerztrank. Mein Blick huscht zu meinem Buch „Zaubertränke für Fortgeschrittene“. Ich grinse.

Aber ich hab mit zwei Sahneschnitten, die mein Tun kommentieren schon genug, da muss nicht auch noch Severus als dritter im Bunde hier auftauchen. Ja, ich steh nun mal auf böse Jungs.

Lucius steht also jetzt in meiner Küche und starrt den Wasserkocher in Form eines Pfeifen-Kessels an. In einer flüssigen Bewegung zieht er seinen Zauberstab und fuchtelt damit vor dem mintfarbenen Gerät herum. Jetzt ist es an mir mit den Augen zu rollen und ich stelle den Kaffee ab.

Während ich Lucius Malfoy, dem größten Reinblüter seiner Zeit, also beibringe wie man mit einem Wasserkocher Tee aufsetzt – die Sache mit Tee in Beutel füllen und den in die Kanne zu hängen, brauch ich ihm wenigstens nicht zu erklären, und auch die Teekerze kann er mit seinem Zauberstab anbekommen – hat sich Tom meinem Schreibtisch zugewandt.

„Du hast wieder alles rumliegen lassen nach dem Basteln gestern.“ Ich rolle mit den Augen. Vielleicht sollte ich Severus doch dazu bitten, denn so langsam bekomme ich Kopfschmerzen. „Ja uuuuund? Wo ist das Problem?“ Er hält Perlen, Papierreste und eine Mandarine hoch. „In so einem Chaos kann man sich nicht konzentrieren, Schatz, das weißt du.“

Ich rolle schon wieder mit den Augen. „Warum nennst du mich eigentlich den ganzen Morgen schon Schatz?“ Lucius hinter mir kichert ungehalten los und als ich mich umdrehe grinst er mich hinterhältig an.

Ich schmeiße die Hände in die Luft. „Nein, sags mir nicht. Ihr seid Ausgeburten meiner Fantasie und wollt mich nur Quälen. Das ist alles.“

„Aber nein, Darling, quälen wollen wir dich doch nicht.“ Ich starre Lucius böse an. Jetzt fängt der auch noch mit den Spitznamen an.

„Okey, ihr habt gewonnen.“ Missmutig räume ich meinen Schreibtisch auf, starre dabei immer wieder apathisch auf meine beiden Monitore. Auf dem einen sind die beiden Fanfiktions auf, an denen ich arbeite. Auf dem anderen World of Potter. Lucius beugt sich über meine Schulter und starrt auf das Fenster mit der Rollenspielseite.

„Du bist ein dreizehnjähriger Junge von den Falklandinseln der nach Hogwarts geht?“ Dann beugt sich auch noch Tom rüber und ich verberge mein Gesicht in meinen Händen. Wenn die jetzt auch noch raus kriegen… „DU BIST EIN GRYFFINDOR?“

Das der dunkle Lord eine so hohe Stimmlage haben kann, hätte ich ja auch nicht vermutet. „Ja, bin ich.“ Tom zeigt irritiert auf meine Wolldecke, auf das Wappen an meiner Wand, auf meinen Stift, auf… ja eigentlich auf fast alles auf und um meinen Schreibtisch. „Jaaaa, ich weiß.“

In meinem zu Hause dominieren halt die Schlangen. „WARUM?“ Lucius neben ihm ist blass geworden.

„Lange Geschichte…“ „Ich will sie gar nicht hören.“ Tom verschränkt schmollend die Arme vor der Brust und Lucius funkelt mich böse an. Ich strecke beiden die Zunge raus und räume die Bastelsachen vom Vorabend weg. Lucius findet unterdessen heraus, wie man eine Computermaus bedient und schaut sich die beiden Fanfiktions an.

„Okey Tom, hör mal… in der hier sind wir beide total lieb und Bella… sie bringt dir Tee und du zählst Sterne.“ Ich seufze.

„Und die Andere… ja, da hält sie sich immerhin an den Kanon der Bücher. Wer ist Clara Inkwood?“ Sein Blick huscht zu mir und ich schaue ihn resignierend an. „Eine Ausgeburt meiner Fantasie und der Albtraum eines jeden Schwarzmagiers. Grabräuberin und Fluchbrecherin und ne ziemlich gute Duellantin.“ „Ah…“

Er fängt an die Geschichte zu lesen. „Ziemlich overpowerd wenn du mich fragst.“ „Mary Sue?“ „Ne, die scheint auch Schwächen zu haben… uuuh! Sie scheint eine Schwäche für Severus zu haben.“

Tom starrt mich an. „Du hast dich doch wieder selber in die Geschichte reingeschrieben.“ Seine Stimme klingt böse, tadelnd, anklagend. „JA UND?“ fauche ich zurück. „Ich mag Sev halt und es ist voll ungerecht, dass er sterben musste, DAS kann ich JKR einfach nicht verzeihen. Also lass mich ihn glücklich machen.“

„Mit dir?! Ich lach mich kaputt.“ „NEIN, MIT CLARA!“ Ich piekse mit meinem Zeigefinger in seiner Brust herum. Er rollt mit den Augen. Lucius überfliegt unterdessen die andere Geschichte.

„Hier ist schon wieder so ein OC.“ Tom wendet sich um. „Weiblich?“ „Jupp.“ „Mit wem verkuppelt sie sich diesmal?“ „Ich befürchte fast mit dir.“

Tom starrt mich an. „Ich bin der größte Schwarzmagier diesseits und jenseits dieses komischen Flusses vor deiner Haust…“ „Rhein, der Fluss heißt Rhein! Könntest du dir auch langsam mal merken.“ „Jaja, Rhein hin Rhein her, jedenfalls, ich bin böse, dunkel, gemein und quäle gerne meine Mitmenschen, warum soll ich mich von dir mit dir selber verkuppeln lassen?“

Ich zucke mit den Achseln und stelle den kleinen Koffer mit den Papierbastelsachen unter meinen Schreibtisch. „Weil ich es kann. Ist schließlich meine Fantasie und wenn ich mit dir ins Bett will, musst du mitmachen. Altes Fanfiktion Gesetz!“ Ich strecke ihm die Zunge raus. Er lässt sich auf einen meiner Küchenstühle sinken und starrt mich an. „Ich brauch nen Whisky.“ Ich deute zu dem Regal in der Küche, auf dem unsere Whiskysammlung steht. „Bedien dich“, murmel ich nur und räume die Stifte ins Regal.

Lucius ist indes dazu übergegangen meine anderen Werke auf meinem PC zu begutachten. „Okey, Kindermärchen, das ist ja was ganz anderes. Eine redende Spinne?“ „Warum keine Schlange?“

Ich rolle mit den Augen. „Weil ich Schlangen mag und vor Spinnen Angst habe.“ „Logisch“, murmelt der dunkle Lord und trinkt meinen Whisky leer. Ich greife zu meinen Schmerztabletten. Lucius schaut mich tadelnd an. „Die wievielte ist das heute?“ „Die Zweite, warum?“ „Ich frag nur…“

Der Versuch ihn von meinem PC weg zu bekommen, scheitert daran, dass er die Rohfassung eines Krimis entdeckt hat. Also die Rohfassung die nur die grobe Storyline und die Schauplätze beinhaltet.

„Wow, Tom, das könnte dir gefallen.“ Ein Lob aus dem Munde Lucius Malfoys? Ich blinzel irritiert. „Schieß los, Luke.“ „Also, hier ist ein Mörder, der seine Opfer auf den Boden nagelt und sie dann nagelt.“ Lucius Malfoy lacht dreckig und Tom bekommt ein Glitzern in den Augen. Ja super.

„Das ist ein Krimi über einen Serienmörder, der in Köln sein Unwesen treibt“, nuschel ich nur und vergrabe mein Gesicht erneut in meinen Händen. „Na, da tun sich ja ganz andere Qualitäten auf Schatz. Nicht vielleicht doch mal über eine Karriere als Todesser nachgedacht?“

„Boah, Klappe Tom, Ruhe Luke!“ Ich schiebe Lucius von meinem PC weg.

„Erstens: Catriona, die aus der Geschichte wo Bella Tom Tee serviert, IST Todesser und deine verfickte Freundin Tom, aber du hast sie ja total ignoriert weil du aus Verzweiflung und Rache den Alkohol besser fandst als alles andere. Und jetzt stell den Whisky weg, bevor du wieder abhängig wirst. Zweitens: wenn ihr nicht sofort aufhört, alles hier zu kommentieren, komme ich weder mit der einen noch mit der anderen Geschichte weiter. Es ist ja nett, dass ihr mir einen Besuch abstattet, aber kündigt euch doch demnächst an, dann back ich auch nen Kuchen. Und ihr dürft auch gerne den missmutigen Zaubertränkelehrer mitbringen, dann kann ich ihm Clara vorstellen…“

Lucius hat den Moment genutzt um weiter zu wühlen. „Oh, ich hab noch eine gefunden, da hat sie sich mit mir verbandelt. Du weißt schon, Schatz, dass ich mit Narzissa verheiratet bin?“ „Was?“ Ich stolpere über seine Worte. Er schaut mich nur an und ich wünsche mich jetzt einfach ganz weit weg, oder in ein Loch im Boden.

Als mein Mann in die Küche kommt um sich einen Kaffee zu machen schauen die beiden Todesser ihn nur an. „Also, wenn man sich ihren Mann so ansieht, könnte man ja meinen, er wäre einer von uns.“

Mein Kopf knallt endgültig auf den Schreibtisch und mein Mann schaut mich fragend an. „Alles okey Marie?“ Seine Hand legt sich auf meinen Rücken und ich höre hinter ihm leises Gekicher. In meinen nicht vorhandenen Bart nuschel ich nur „Kopfschmerzen, Frauenprobleme und ne Schreibblockade.“ Er streichelt mir beruhigend über den Rücken.

„Das wird schon, du schreibst toll, egal was andere sagen.“ Er drückt mir einen Kuss auf und verlässt die Küche wieder. Ich hebe meinen Kopf und starre die beiden Todesser an. „DA, da habt ihr es gehört. Ihr könnt sagen was ihr wollt. Ich schreibe gut!“

„Sagt sie, nachdem erst eines ihrer Märchen in einem Märchenbuch gelandet ist.“ „ICH HABE NIE WAS ANDERES EINGEREICHT ALSO HALT ENDLICH DIE KLAPPE!“

Ich füttere meine Haustiere auf World of Potter und schaue dann in meine Fanfiktions rein. „Wisst ihr was? Ich stell das mit der Spinne jetzt online. So! Und dann schreib ich weiter.“

Die beiden Jungs zucken nur mit den Schultern und hocken sich an den Küchentisch, Lucius holt ein Kartenspiel aus der Tasche. „Skat?“ „Wir sind nur zu zweit.“ Ach scheiß drauf.

„SEVERUS!“ Ich brülle den Namen quer durch meine Gedankenwindungen. „Dein Typ wird verlangt, die wollen Skat spielen.“

Und nur den Bruchteil einer Sekunde sitzen drei Todesser an meinem Küchentisch, trinken meinen Tee, essen meine Kekse und spielen Skat, während ich versuche meine Gedanken in ansehnliche Worte zu verwandeln.

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Sternenruferin

Marie-Louise, Arbeitet mit psychischer Erkrankung in einer Werkstatt für behinderte Menschen, Mediengstalter, Peer Berater, Borderline und Spaß am Leben. Musik, Bücher und Schreiben vervollständigen den Haushalt mit Mann, zwei Katzen und zwei Schlangen.

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