Ausschwitz
Erfahrungen und Erlebnisse

Wenn man die Augen schließt…

Nicht nur im Freiheits-Chat, sondern in vielen Chats, in vielen Gruppen in vielen Medien gibt es immer wieder ein Thema: den Holocaust! Ein schwarzes Kapitel in der Geschichte unseres Landes und etwas, was mir immer wieder die Tränen in die Augen treibt.

Doch viele der Menschen in diesen Gruppen haben darüber eine andere Meinung: es gab den Holocaust nicht! Es ist entweder alles eine Geschichte, die sich die Besatzungsmächte ausgedacht haben, oder aber es gab einen Holocaust an der deutschen Bevölkerung – aber nicht das, was wir in der Schule lernen, was zur Allgemeinbildung gehört und was nachweislich geschehen ist.

Es gab keine Konzentrationslager und die Zionisten und die Juden haben versucht das deutsche Volk auszurotten.

Danke vielmals. Wenn ich so etwas lese, wird mir tatsächlich schlecht. Manchmal möchte ich genau diesen Menschen Filmempfehlungen geben, da ich weiß, dass sie mit Büchern überfordert sind. Bücher, die von Menschen stammen, die diese Zeit überlebt haben. Bücher von Menschen, die sich selber Verpflichtungen auferlegt haben, dass so etwas nie wieder geschehen kann.

Für diejenigen unter euch, die eine geschichtliche Auffrischung brauchen, hier die wichtigsten Daten:

Von 1941 bis 1945 wurden in Deutschland unter dem Regime der Nationalsozialisten systematisch 5,6 bis 6,3 Millionen Juden getötet. Doch nicht nur Juden waren Teil einer „Säuberung“. Vielmehr wurden Menschen eingesperrt und getötet, die nicht in das Weltbild der Nationalsozialisten passten. Seien es politisch anders denkende, Sinti und Roma, Schwule, Lesben, Queere… Menschen mit Behinderungen, nicht lebenswürdige Menschen! Selbst Kinder, diejenigen unserer Welt die am unschuldigsten und am schutzbedürftigsten sind, wurden getötet. Kinder-Euthanasie! Euthanasie bedeutet Erleichterung des Sterbens. Die wenigsten Kinder lagen im Sterben. Sie waren einfach nicht lebenswert!

In dem Regime – maßgeblich angeführt von Adolf Hitler – war das Töten eine Massenindustrie! Lager wurden angelegt, in welchem die Morde an unschuldigen Menschen zur Tagesordnung gehörten.

Auch wenn ich keinen in meiner Familie habe, der in einem der Konzentrationslager starb oder war, so hat diese Zeit und das Gedankengut aus dieser Zeit meine Familie dennoch nachhaltig geprägt – und das nicht in einem positiven Sinne. Denn es prägt eine Familie, wenn die Menschen nicht leben können, wie sie es wollen, wie sie es möchten, sondern wie es ihnen vorgeschrieben wird.

Und dann kommen Menschen daher und behaupten, Adolf Hitler wäre gut für Deutschland gewesen, es hätte keinen Holocaust gegeben. Und ich frage mich: was ist bei diesen Menschen kaputt? Es sind Dinge, die nicht in meinen Verstand wollen! Wie so viele von den Verschwörungstheorien, die sich immer mehr in den Vordergrund drängen.

Diese Gedanken sind gefährlich, die Worte sind gefährlich, die Verleugnung ist gefährlich. Denn so kann es wieder geschehen, geschieht wieder. Und ich frage mich, wie in einer aufgeklärten Zeit, einer Zeit in der Wissen einfacher zu erlangen ist als in jeder anderen Zeit unserer menschlichen Geschichte, Menschen so denken können! Ich würde gerne sagen, es ist pure Ignoranz, es ist rein rassistisches Denken… aber dann denke ich: sie sind dumm! Aber das sind sie leider nicht.

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Sternenruferin

Marie-Louise, Arbeitet mit psychischer Erkrankung in einer Werkstatt für behinderte Menschen, Mediengstalter, Peer Berater, Borderline und Spaß am Leben. Musik, Bücher und Schreiben vervollständigen den Haushalt mit Mann, zwei Katzen und zwei Schlangen.

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